Korbinian Brodmann
mutter vater
Mutter Vater
elternhaus schernegg
Geburtshaus
(Wurde Ende der 80er Jahre abgerissen)
Wohnhaus des Vaters
(Schernegg)

Ich bin geboren am 17. November 1868 zu Liggersdorf in Hohenzollern, Sohn des Landwirtes Joseph Brodmann und seiner Ehefrau Sophie geb. Benkler, kath. Konfession, preuss. Staatsangehörigkeit.

Den Elementarunterricht habe ich in der Volksschule meines Heimatortes vom 6. bis 12. Lebensjahr besucht; die humanistische Ausbildung erhielt ich zwei Jahre auf der Bürgerschule in Überlingen, ein Jahr im Gymnasium zu Sigmaringen und 6 Jahre im Gymnasium zu Konstanz, woselbst ich im Sommer 1889 das Zeugnis der Reife für das akademische Studium erlangte.

Ich studierte Medizin in München an den Universitäten zu München, Würzburg, Berlin und Freiburg. Im Sommersemester 1891 bestand ich die ärztliche Vorprüfung zu Würzburg, im Wintersemester 1894/95 das medizinische Staatsexamen zu Freiburg i.B. und erhielt auf Grund des letzteren am 21. Februar 1895 die Approbation als Arzt für das Gebiet des deutschen Reiches. Nach erlangter Approbation widmete ich mich ein Jahr der allgemeinen ärztlichen Weiterbildung, besuchte im Sommer 1895 klinische Vorlesungen an der Universität Lausanne und famulierte im darauffolgenden Winter an der Kinderpoliklinik des Reisgerianum in München. Während des Sommers 1896 war ich Assistent an der Nervenheilanstalt Alexanderbad im Fichtelgebirge. Von da an wandte ich mich dem Sondergebiete der Neurologie und Psychiatrie zu und suchte mit hier zunächst die nötigen theoretischen Grundlagen anzueignen.

Zu diesem Zwecke hörte ich im Wintersemester 1896/97 in Berlin klinische Vorlesungen und Kurse über Psychiatrie, Neurologie und Hirnanatomie bei dem Herrn Professoren Jolly, Mendel und Köppen, sowie über Experimentalpsychologie bei Herrn Prof. Stumpf und Schumann. Darauf arbeitete ich ein Jahr im pathologischen Institut in Leipzig unter Herrn Prof. v. Birsch-Hirschfeld und promovierte daselbst 1898 mit einer Inaugural-Dissertation über "Chronische Ependymsklerose”

Seit 1898 bin ich dauernd an öffentlichen Kliniken und Anstalten tätig gewesen. Meine dienstlichen Stellungen waren:

  • Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik an der Universität Jena unter Prof. Binswanger (März 1898 bis Juni 1900).
  • Assistenzarzt an der Städtischer Irrenanstalt zu Frankfurt a.M. unter Prof. Sioli (Juli 1900 bis August 1901)
  • Assistent am Neurologischen Institut der Universität Berlin unter Prof. Oskar Vogt (August 1901 bis Oktober 1910)
  • Assistenzarzt bzw. Oberarzt und Leiter des anatomischen Laboratoriums an der Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkrankheiten in Tübingen unter Prof. Gaupp (1. Oktober 1910 bis 1.Mai 1916). Vom Kriegsbeginn bis zum Austritt aus der Klinik freiwillig ordinierender Arzt an der Nervenabteilung des Reservelazaretts II in Tübingen.

 lazarett
Im Feldlazarett Tübingen (Brodmann vordere Reihe sitzend 4. von rechts)

  • Seit 1. Mai 1916 Prosektor der Landesheilanstalt Nietleben bei Halle (Saale)
  • Seit 1. April 1918 Abteilungsleiter der anatomisch topographischen Abteilung am deutschen Forschungsinstitut zu München (Dieser Eintrag ist handschriftlich, vermutlich wurde er von seiner Frau hinzugefügt)


Wissenschaftlicher Entwicklungsgang und Arbeitsrichtung ergeben sich aus dem anliegenden Verzeichniss einiger Abhandlungen und der von Schülern unter meiner Leitung ausgeführten Arbeiten.
(Dieses Verzeichnis ist des Umfanges wegen in diese Webseite nicht eingefügt) 

In den frühen Jahren der Assistentenzeit in Jena und Frankfurt a.M. (1898-1901) ging ich vorwiegend klinischen Aufgaben nach (Serratuslähmung, Neuritis ascendens, hypnotische Methodik und Psychotherapie). Aber auch schon damals beschäftigten mich anatomische Fragen, wie die Untersuchung des Nervensystems im polarisierten Lichte, sowie die neue elektive Weigertsche Neurogliafärbung. Auch experimental-psychologische Untersuchungen nahmen mich längere Zeit in Anspruch, namentlich plethysmographische Studien über Blutverteilung im Gehirn während des Schlafes, ferner experimentelle Prüfungen der Gedächtnisstörung bei der polyneuritischen Psychose.

In Frankfurt erhielt ich durch Alzheimer im dortigen mikroskopischen Laboratorium den entscheidenden Antrieb zur anatomischen Forschungsrichtung in der Psychatrie, die nach der Übersiedlung an das Neurobiologische Institut in Berlin mein eigentliches Arbeitsgebiet wurde und es seitdem vorwiegend geblieben ist. Im Rahmen des allgemeinen Arbeitsplanes dieses Instituts fiel mir die topographische Erforschung des Hirnrindenbaues zu, und während nahezu 10 jähriger Tätigkeit daselbst habe ich die histologische Lokalisation der Großhirnrinde in der Säugetierreihe sowohl in deskriptiver wie vergleichend anatomischer Hinsicht bearbeitet.

Das Ergebnis dieser Studien waren die "Beiträge zur histologischen Lokalisation" (1903-08) und die "Vergleichende Lokalisationslehre" (1909). Nebenher [betrieb ich] gelegentliche Untersuchungen über "Fibrillogenie und ihre Beziehungen zur Myelogie" (1907) und über verschiedene histopathologische Einzelfragen (Feinere Histologie und Histhopathologie der Großhirnrinde bei der Dementia paralytica, Dementia senilis und Idiotie) an Hand der neuen Firillenmethoden von Bielschowsky und Cajal.

Am Berliner Institut habe ich mehrere Jahre innerhalb der Ferienkurse des Dozentenverbandes regelmäßig Vorträge über Bau und Organisation des Gehirns gehalten.

Nach meinem Eintritt in die Psychiatrische Klinik in Tübingen beschäftigten mich, abgesehen von den engeren histopathologischen Aufgaben des dortigen Laboratoriums, hauptsächlich anthropologische Fragen, insbesondere vergleichende Untersuchungen über die Größe und Ausgestaltung des Gehirns und einzelner Rindenteile bei verschiedenen Rassen im Vergleich mit Tiergehirnen (Vorlesungen auf der Anatomenversammlung in München 1912, auf der Naturforschertagung in Wien 1913 und auf der Baden-Badener-Tagung südwestdeutscher Irrenärzte, 1914).

Als Ergebnis der in meiner Eigenschaft als Oberarzt der Klinik und Leiter der Poliklinik gesammelten klinisch-hirnpathologischen Erfahrung entstand in diesen Jahren die Bearbeitung der "Physiologie des Gehirns" in v.Bruns "Chirurgische Erkrankungen des Gehirns". Weitere in Ausführung begriffene und teilweise bereits im Druck befindliche Veröffentlichungen wurden durch den Ausbruch des Krieges unterbrochen und konnten bisher nicht abgeschlossen werden.

Am 2. Februar 1911 wurde mir auf Grund früherer wissenschaftlicher Arbeiten vom Kgl.Württ. Ministerium des Kirchen und Schulwesen die venia legendi an der medizinischen Fakultät in Tübingen für das Fach der Psychiatrie und Neurologie erteilt und im August 1913 durch S.Majestät den König von Württemberg der Titel und Rang eines außerordentlichen Professors verliehen.

Als Privatdozent habe ich in Tübingen Vorlesungen über folgende Gebiete gehalten:

  • Selbständige Arbeiten auf dem Gebiete der Hirnanatomie und Hirnpathologie im Laboratorium der Klinik
  • Einführungskurse in die Neurologie und Psychiatrie
  • Gehirn und Sprache
  • Aphasie, Agnosie und Apraxie

Außerdem war ich seit dem Jahre 1908 an den psychiatrischen Fortbildungskursen in München mit Vorlesungen über Topographische Histologie des Gehirns beteiligt. An wissenschaftlichen Stipendien und Auszeichnungen wurden mir zuteil:

  • Von der Jagor-Stiftung der Stadt Berlin 2 Forschungsbeihilfen von 400 bzw. 500 M während meiner Tätigkeit am Neurobiologischen Institut in Berlin. 
  • Ein Stipendium von 2000 M für Zwecke der Hirnforschung von der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte im Sommer 1912.
  • Von der Akademie der Wissenschaften in Heidelberg (Heinrich Lanz-Stiftung) eine Dotation von 15000 M zur Fortführung meiner hirnanatomischen Studien im Herbst 1912
  • Ernennung zum Mitglied der Schwedischen Gesellschaft der Ärzte im Dezember 1912.  
  • In Anerkennung meiner Tätigkeit an der Nervenheilanstalt des Reserve-Lazarertts II in Tübingen wurde mir im Februar 1916 durch S.Majestät den König von Württemberg das Wilhelmskreuz mit Schwertern verliehen.

  antrvorl
Schriftstück von Brodmann